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Für einen direkten Universitätszugang für Lernende mit Berufsmaturität!

JUSO-Nationalratskandidat Philipp Schuler schreibt über die Notwendigkeit eines durchlässigen Bildungssystems.

Viel wird über den Fachkräftemangel diskutiert, und viele wollen ihm mit nutzlosen und schädlichen Massnahmen begegnen. Es kann nicht sein, dass gewisse „PolitikerInnen“ diesen sogar noch verschärfen wollen, indem sie Menschen den Zugang zu Studiengängen der  Geistes- oder Sozialwissenschaft  erschweren, wodurch fadenscheinig die Studierendenzahlen in den Naturwissenschaften steigen sollen. Niemand fängt ein Maschinenbau- oder Physikstudium an, weil einem das Geschichts- oder Philosophiestudium verunmöglicht wird. Man soll das studieren können, was einem liegt und mit dem man sich identifizieren kann. Nur so kann man auch davon ausgehen, dass Studierende zu hohen Leistungen motiviert und nachher im Berufsleben zufrieden sind.

Meiner Meinung nach gibt es jedoch ein Mittel, dem Fachkräftemangel wirkungsvoll zu begegnen ohne dabei den jungen Menschen, die eine Lehre machen wollen, die spätere Optionen eines Universitätsstudium zu erschweren:  Lernende, welche die Berufsmaturität erworben haben, sollen einen direkten Zugang zu den Universitäten erhalten!

Wer eine Berufsausbildung abgeschlossen hat und eine Berufsmaturität besitzt, hat viel Erfahrung und Wissen im Berufsfeld sammeln sowie praktische Fähigkeiten erlernen können. Wer eine Berufsmaturität erworben hat, hat meines Erachtens genug theoretisches Wissen in der Tasche, um nicht „nur“ ein Studium an einer Fachhochschule antreten zu können, sondern auch genug für ein Studium an einer Universität. Mir war es so oder so immer suspekt, dass ein Studium an einer Fachhochschule als weniger hoch gewertet wird als ein Studium an einer Universität – ich halte dies schlicht und ergreifend für falsch.

Ein anderer wichtiger Punkt ist, dass im heutigen System über SchülerInnen nach der Primarschule im Alter von 12 Jahren entschieden wird, welchen Weg sie später einmal einschlagen sollen. Somit wird über ihren späteren Werdegang noch im Kindesalter entschieden, obwohl bekannt ist, dass die „Leistungen“ in diesem Alter nicht viel über ihre Fähigkeiten aussagen. Viel zu viel Einfluss wird so einer einzelnen Lehrperson überlassen, die das Kind dann einem späteren „Leistungsniveau“ zuteilt. Diese Situation ist für alle Seiten höchst unbefriedigend – zumal diese Entscheidung den SchülernInnen, welche nicht der Sekundarstufe II zugeteilt werden, den Zugang zu einer Universität stark erschwert wird. Gleichzeitig wird von SchülernInnen der Sekundarstufe II schon fast erwartet, dass sie später erst ein Gymnasium und danach eine Universität besuchen. Diese andere Seite der Medaille kenne ich aus meinem eigenen Berufsleben nur all zu gut. Es bringt nicht viel, beispielsweise einen Bachelor in Life Science zu erwerben, um danach in einem  Unternehmen im Labor zu arbeiten. In diesem Fall ist es besser, eine Lehre als Biologie-, Chemie- oder PhysiklaborantIn abzuschliessen. Wer danach Lust auf ein Studium hat, soll es danach auch problemlos an einer Universität anfangen können.

Es braucht mehr Durchlässigkeit in unserem gesamten Bildungssystem und keine Einbahnstrassen.  Die frühe Einteilung von Kindern und Jugendlichen ist kompletter Blödsinn.  

Fachhochschulen sind nicht weniger Wert als Universitäten. Eine Berufsausbildung ist nicht weniger wert als eine Matur. Wer weiss, dass ihm oder ihr nach einer erfolgreichen Berufsausbildung mit Berufsmatur alle Wege offen stehen, wird sich viel eher für die Lehre entscheiden. Wer danach motiviert ist ein Studium anzutreten, soll dies auch immer noch tun können und bringt dann wichtige praktische Fähigkeiten und Wissen mit. Das ist ein wirksames Mittel gegen den Fachkräftemangel. Es ist besser, wirksamer und gerechter, als den Zugang zu bestimmten Studiengänge zu erschweren, Kinder in Schubladen zu stecken und ihnen schon mit jungen Jahren eine Entscheidung aufzubürden, die ihren gesamten weiteren Lebensweg kolossal beeinflusst.

Und obendrein: Die drei Jahre, in denen man eine Ausbildung geniesst, helfen bei der Entscheidungsfindung über den eigenen beruflichen Weg;  sie vermitteln Wissen, Einblicke und Kompetenzen. Mehr Durchlässigkeit im Bildungswesen – das ist ein wichtiger Baustein gegen Fachkräftemangel. Lasst uns die Einbahnstrassen-Schilder abmontieren.

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